Duftende Pflanzen

Duftpflanzen im Garten

 

Düfte und Gerüche begleiten uns unser ganzes Leben lang. Obwohl wir uns dessen oft nicht bewusst sind, beeinflussen sie unser Erinnerungsvermögen stark und erweitern unser Weltbild um eine weitere Dimension.

 

Vor einiger Zeit habe ich eine Fernsehdokumentation über Leute gesehen, die ihr Riechvermögen verloren hatten. Die Betroffenen berichteten, dass ihre Welt "flacher" geworden wäre, seit sie nicht mehr riechen könnten, als ob eine Ebene fehlen würde. Obwohl Riechen oft nicht bewusst wahrgenommen  wird, ist es für unser Leben offensichtlich ein wichtiger Aspekt.

 

Oft riechen wir auch bewusst an etwas, wie beispielsweise an Lebensmitteln, um festzustellen, ob sie noch geniessbar sind, bevor wir sie probieren. Eine Handtasche, die übel nach "Chemie" stinkt, legen wir ins Regal zurück. Die Nase ist einer unserer ersten Wächter, die uns rät vorsichtig zu sein, denn was ihr stinkt, tut uns oft nicht gut.

 

Düfte helfen unserem Erinnerungsvermögen auf die Sprünge: Der Geruch gedörrter Bohnen, der an die Weihnachtsfeste bei der Grossmutter erinnert oder den der Sonnencreme, mit der wir uns in jenen tollen Ferien auf Mauritius eingerieben hatten. Er lässt sonnendurchflutete Palmenhaine und das Rauschen des Meeres vor unserem Inneren Auge auferstehen.

 

Der Garten ist ein perfekter Platz für Düfte. Sie lassen einen innehalten und die Turbulenzen der Welt ein wenig vergessen. Mit Düften, die uns ansprechen, erschaffen wir einen eigenen Kosmos, in dem wir uns wohl fühlen und uns entspannen können.

 

So habe ich denn an verschiedenen Ecken und Enden meines Hausgartens Duftpflanzen gesetzt:

 


Pfefferminze
hängt weit übers Gartenbeet hinaus. Immer wenn ich daran vorbeigehe, streifen mich seine Blätter und eine Duftwolke steigt auf und umhüllt mich. Sie wirkt entspannend und die Welt wirkt plötzlich weiter. Weit gehen auch seine Ausläufer. Wir müssen ihn jedes Jahr abstechen, damit er nicht seine Nachbarn überwuchert.


 

Geissblatt

duftet in den Abendstunden, ausserdem hat es ansprechende rot-orange Blütensträusschen. Weil sie durch die langen Blütenkelche nicht an den Nektar herankommen, beissen Erdhummeln am Ansatz ein Loch in die Blüten. Andere Bienen finden's auch toll, so kommen sie auch an den leckeren Nektar.


Nachtviole

ist unser violetter Neuzugang und riecht herrlich. Wir sammeln Samen in der Hoffnung, dass sie bei uns keimen.


Zitronenmelisse

riecht wie sie heisst und schmeckt wunderbar in Bowlen und Desserts. Sie verbreitet sich bei uns im ganzen Garten. Ist jedoch leicht zu entfernen, wo sie nicht erwünscht ist.


 

Duftwicke

ist mit Erbsen und Bohnen verwandt. Die Blüten sehen auch ähnlich aus, duften aber herrlich süss und ziehen unter anderem Holzbienen an. Jedes Jahr suchen wir ein neues Plätzchen für sie, da sie als Leguminose nur alle vier Jahre an den selben Ort gepflanzt werden kann.


 

Immergrüne Clematis

blüht im Frühling, rankt sich an unserem Pavillon hoch und riecht ähnlich wie Jasmin. Leider ist sie bei uns nicht vollkommen winterhart. Da sie an der Vorjahrestrieben blüht, müssen wir sie einpacken, um sie vor allzu starken Frost zu schützen. Vor allem die Winter-Bise lässt ihre immergrünen Blätter erfrieren.


Klebsame

ist ein immergrüner Strauch aus dem Mittelmeerraum und duftet überwältigend gut. Er muss in unseren Breitengraden zur Überwinterung ins Gewächshaus.

Unsere Pflanze ist leider in einem extrem kalten Winter erfroren, trotz verzweifelter Rettungsversuche durch zusätzliches Heizen.


Auch in unserem kleinen Gewächshaus stehen drei Duftgiganten: zwei Pelargonien, die ich seinerzeit an den Hannoverschen Pflanztagen erstanden habe. Die eine strömt einen Zitronenduft aus, der selbst Zitronen erblassen lässt, die andere eine interessante Mischung aus Pfefferminz und Zitrus. Vor zwei Jahren ist eine weitere dekorative Sorte mit melierten Blättern hinzugekommen, die ebenfalls stark nach Zitrone riecht. Die Pflanzen riechen so intensiv, dass die Welt bei Berührung der Blätter für einen Moment nur noch aus diesen Aromen zu bestehen scheint.

 

Auf unserem neuen Pflanzblätz haben wir  im Mai 2017 einen Lavendelpfad angelegt. Nach vier Monaten hatten sich die Pflanzen schon prächtig entwickelt und blühten. Der Lavendelgeruch und das Summen und Brummen der Bienen und Hummeln begleitet uns seitdem bei unseren Gartenarbeiten. Im Frühling 2018 haben wir eine rot blühende Zimt-Rose gesetzt. Eine der wenigen einheimischen Wildrosen, die duftet. Sie hat sich gut etabliert und wir hoffen im nächsten Frühling ein weiteres Dufterlebnis geniessen zu können.

 

Gerne würde ich einen Duftrasen aus römischer Kamille anlegen. Sie riecht fruchtig und bildet mit Ausläufern trittfeste Teppiche (so stets wenigstens in den Beschreibungen). Ich habe eine kleine Versuchsfläche mit vier Pflänzchen angelegt, doch leider vegetieren sie nur so vor sich hin. Ich hoffe, sie überstehen den Winter und wachsen nächstes Jahr besser. Es muss herrlich sein an einem warmen Sommertag darüber zu gehen und sich aromatisieren zu lassen.

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