Schnecken - die Helferinnen

Die Weinbergschnecke

Wir alle kennen das Problem mit den Schnecken. Kein Gärtner, der sich nicht früher oder später mit den Radikalfressern beschäftigen müsste. Keine Gartenzeitschrift, Zeitung oder Gartenblog, der das Thema der Schneckenbekämpfung nicht abgehandelt hätte: Schneckenzaun, Bierfalle, Laufenten, Asche, Sägemehl, Eierschalen, Schneckenkörner (wenn, dann nur die mit dem Eisen-III-Phosphat, wegen der Igel), überbrühen, zerschneiden, zerhacken, vierteilen ...

 

Nein, ernsthaft, die eine oder andere dieser Methoden hat sich in unserem kleinen Vorgarten als effizient erwiesen. Der Schneckenzaun beispielsweise, wobei ich innerhalb der Barriere die ersten Jahre fleissig abgesammelt habe, bis es so gut wie schneckenfrei war. Für grössere Flächen wird diese Variante allerdings sehr teuer. Auch das Zerschneiden ist eine effiziente Methode und wird als die "tierfreundlichste" angepriesen. Ich habe sie allerdings nie praktiziert - geht mir doch zu nahe. Ich wildere die Tierchen in einer entfernten Wiese aus, wo sie mit Wildpflanzen klarkommen müssen und sich nicht die liebe lange Nacht an bitterfrei gezüchteten Kulturpflanzen gütlich tun können. Auch Kriechhemmer wie Asche, Sägemehl etc. helfen, aber eben nur bis zum nächsten Regen, so dass sich bei regelmässiger Anwendung zwangsläufig Berge davon im Garten ansammeln.

 

Nun habe ich vor einiger Zeit einen interessanten Artikel in einer Tageszeitung gelesen, in dem ein erfahrener Gärtner die einheimische Weinbergschnecke als Geheimwaffe gegen die in den 60iger Jahren in die Schweiz eingeschleppte Spanische Wegschnecke einsetzt. Eigentlich wäre es ganz einfach, meinte er: Die Weinbergschnecke selbst wäre kein Schädling, da sie mit Vorliebe angewelkte Blätter frässe und darüber hinaus eben auch die Gelege der gefürchteten Verwandten. Eine Weinbergschnecke auf 5 Quadratmeter und der Garten wäre so gut wie schneckenfrei, weil: keine Eier, kein Nachwuchs. Ich finde, das klingt doch vielversprechend.

 

Als ich im Frühling dann zufälligerweise einen dieser einheimischen Schneckenriesen in einer eher feuchten und mit Laub bedeckten Ecke unseres Hausgartens entdeckte, war meine Freude natürlich gross. Obwohl ich mitten im Dorf wohne, hatte sie den Weg zu uns gefunden. Wobei ich anfügen muss, dass wir in der luxuriösen Situation sind, neben einer extensiven Obstbaumwiese zu wohnen, die bis jetzt noch nicht überbaut wurde. Seither habe ich den Eindruck, dass im Gegensatz zu früheren Jahren weniger Spanische Wegschnecken bei uns unterwegs sind. Früher war unser Rasen bei Regen teilweise ekelerregend bevölkert von diesen unwillkommenen Gästen. Da ihr widerlich klebriger Schleim potenziellen Fressfeinden wie dem Igel den Appetit derart verderben, dass sie bei uns kaum dezimiert werden.

 

Die Devise lautet also: Feuer mit Feuer bekämpfen, oder eben Schnecken mit Schnecken. Der Einsatz von Schneckengiften ist dann jedoch ausgeschlossen, da ja nicht nur die ungeliebten Arten sterben, sondern auch die geschätzten. Wichtig sind auch die Unterschlupfmöglichkeiten, die sich z.B. ergeben, indem man Laub unter Hecken liegen lässt oder anhäuft. Auch eine "unaufgeräumte" Ecke mit einem Asthaufen, in dem auch andere Nützlinge wie z.B. der Igel eine Bleibe finden, ist geeignet. Einige Quadratmeter Naturwiese, die nicht gemäht werden, runden das Angebot ab. Hie und da ein Salatblatt, das beim Rüsten anfällt, und der Wohnraum für die Helferinnen ist eingerichtet.

 

Bitte nicht vergessen: die Weinbergschnecke gehört zu den geschützten Arten. Sie darf nicht aus ihrem natürlichen Lebensraum entnommen werden.

 

Eine interessante Broschüre zu diesem Thema wurde von "Pro Igel" herausgegeben: "Alle Jahre wieder - der Kampf gegen Schnecken"

Der Tigerschnegel

Bevor wir zurück in die Schweiz zurückkamen und unser Einfamilienhaus bezogen, wohnten wir in einer mittelgrossen deutschen Stadt in einer Hochparterre-Wohnung an einer stark befahrenen Einfallstrasse. Der Hinterhof hingegen war fast schon idyllisch grün und wir konnten über ein etwa 14 m2 grosses Gärtchen verfügen, worin wir ein kleines Gewächshaus für unsere nicht winterharten Palmen und anderen mediterranen Gewächse zur Überwinterung aufstellten. Im Sommer kultivierten wir darin verschiedene Tomatensorten. Der eine Nachbargarten diente vor allem als Obst- und Blumengarten und war Spielwiese für die Enkelkinder. Der andere wucherte vor sich hin, da das angrenzende Haus weitgehend leer stand und sich niemand für das grüne Fleckchen interessierte. Also viel Platz für eine interessante wild lebende Tierwelt.

 

 

 

Eines Tages entdeckte ich diese grosse gefleckte Schnecke an unserem Gewächshaus.

Ich war fasziniert, denn ich hatte nie etwas Ähnliches gesehen. Nach einigen Recherchen fand ich heraus, dass es sich um einen Tigerschnegel handelte. Ein nachtaktives Tier, das nicht nur ein interessantes Paarungs-, sondern auch ein für uns erfreuliches Fressverhalten hat. Die Schnecke ernährt sich vorwiegend von welken Pflanzen und ... frisst Gelege sowie Jungtiere der Spanischen Wegschnecke! Sie soll sogar noch viel gründlicher sein als die Weinbergschnecke - ein richtiger Tiger im Kleinformat eben.

 

Nachdem wir in die Schweiz gezogen waren, habe ich im Zuge meiner Nacktschnecken-Bekämpfungsstrategie herausgefunden, dass dieser Räuber auf Kriechsohle auch in der Schweiz vorkommt. Sie halten sich in Auen, Wäldern und Parks auf, finden sich jedoch auch in feuchten Haus- und Gartenecken. Da es sich also um einen Kulturfolger handelt, finde ich ihn vielleicht eines Tages in einer feuchten, laubbedeckten Ecke meines Gartens oder im Kompost und habe das grosse Los in Sachen Schneckenbekämpfung gezogen.

 

Wer zwar über ideale Bedingungen für Tigerschnegel verfügt, aber nicht warten mag, bis sie von selber kommt: Es gibt auch Züchter, bei denen die Tierchen bezogen werden können. Im Gegensatz zur einheimischen Weinbergschnecke ist die Tigerschnecke nicht geschützt. Bei meinen Recherchen bin ich auf Nellys Tigerschnegel-Webseite gestossen, die auch viel Wissenswertes über die Art vermittelt.

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