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Frühsommertreiben: Rote und blaue Kartoffeln

Im wunderbar sonnigen letzten Sommer hatten wir mit der Sorte Agria das grosse Los gezogen; sie bescherte uns eine reiche Kartoffelernte, wovon wir bis im Februar dieses Jahr assen. Die Sorte ist ein wenig mehlig und für Ofenkartoffeln, Kartoffelsalat und Rösti eine phantastische Knolle. Und ehrlich gesagt, mir schmeckten Sie auch als Gschwellti hervorragend.

 


Da ich gerne Neues ausprobiere und es bunt mag auf meinem Teller, mussten dieses Jahr trotzdem andere

Sorten her. Ich bestellte also nach ausgiebigem 'Studium' folgendes:

 

Blauschalige Bristen
- violette Schale, weisses Fleisch, sollen sehr lecker sein, laut Beschrieb jedoch leider empflindlich auf Kraut- und Knollenfäule
(nun, ich denke positiv und hoffe, der Pilz umgeht unsere etwas empfindlicheren Pflanzen)

Blaue St. Galler
- blaue Schale, blaues Fleisch, das beim Kochen die Farbe behalten soll, eine Schweizer Züchtung, leider auch etwas anfällig auf Kraut- und Knollenfäule
(immer positiv bleiben!)

 Ultimus
- rote Schale, gelbes Fleisch, ertragreich und relativ tolerant auf Kraut- und Knollenfäule
(wenigstens eine, die uns keine Sorgen bereitet)

 

Wir setzten die vorgetriebenen Knollen Mitte Mai auf dem ehemaligen Phacelien-Beet nach der 'no-dig'-Methode (Beet vorher nicht umgraben) ein. Mit Hornspänen und Komposterde gedüngt sind die Pflanzen schön kräftig gewachsen und blühen nun violett, lila und weiss und verwandeln unseren Kartoffelacker für kurze Zeit in ein Blumenbeet. Sie entzücken nicht nur uns, sondern auch unsere Parzellennachbarn.

Entlang unseres Kartoffelbeetes habe ich Kapuzinerkresse gesetzt. Sie wirkt abwehrend gegen Kartoffelkäfer und Blattläuse, setzt leuchtende Farbtupfer und ist erst noch essbar. Leider hatte ich die Wuchskraft des Kartoffelkrautes unterschätzt und sie an einigen Stellen zu nahe an die Reihen gesetzt, wo sie nun bei Gewittern von tropfenschweren Kartoffeltrieben niedergedrückt wird, und Regenwetter hatten wir diesen Frühsommer ja reichlich! Und die Schnecken kriechen und schleimen und fressen und schmatzen ... Kartoffelstauden. Unser Schrebergarten-Nachbar, ehemaliger Bauer und gut bewandert in der Anwendung synthetischer Pestizide, nickte weise mit dem Kopf und sagte, das sei wohlbekannt und er hätte bei der Düngung stets auch Schneckenkörner ausgebracht. Ich wusste es nicht. Mein Erfahrungsschatz mit Kartoffeln beschränkt sich auf den wunderbar sonnigen Sommer letzten Jahres und da waren keine Schnecken in unserem Kartoffelbeet. Sogar die Kapuzinerkresse knabbern sie an und das ist doch eher erstaunlich. Allen Widrigkeiten zum Trotz kämpft sich die Schöne jedoch durch und einzelne Blüten durchdringen bereits das Dickicht. Die Kartoffelkäfer haben sich leider trotzdem eingefunden und produzieren fleissig Nachwuchs, der sich ebenfalls gierig über unsere Kartoffelblätter hermacht. Wir sammeln sie fleissig ab, so hält sich die Invasion in Grenzen - vielleicht auch wegen der Kapuzinerkresse.

 

Was die Schneckenkörner betrifft: Ich weigere mich standhaft sie zu streuen, sondern praktiziere lieber die Absammel- und in die nächste Hecke-Weitwurfmethode und hoffe auf trockenere Zeiten.

 

© garten-inspirationen.ch

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