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Herbstgartenzeit

In der Regel finden Pflanzenmärkte im Frühjahr statt. Immer wieder gerne besuche ich den ProSpecieRara-Zierpflanzenmarkt in der Elfenau bei Bern oder den Spezialitätenmarkt an der ZHAW im Grüental oberhalb von Wädenswil. Der historische Zierpflanzengarten in der Elfenau bietet ein angenehmes Ambiente und noch jedesmal habe ich die eine oder andere Pflanzenspezialität gefunden.  Der Garten des Fachhochschulcampus in Wädenswil ist zwar weniger einnehmend, dafür die Auswahl an besonderen Pflanzen umso grösser. Das Angebot ist für Pflanzenmärkte in der Schweiz wohl unübertroffen.

Dieses Jahr fand zum ersten Mal im Herbst ein von ProSpecieRara und den Merian Gärten organisierter Pflanzenmarkt unter dem Namen „Herbstgartenzeit“ auf dem Gelände der Merian Gärten in Basel statt, wo sich auch der Hauptsitz und die Samenbibliothek von ProSpecieRara befinden.

Nicht weit vom Brüglingerhof standen 15 Verkaufs- und einige Informationsstände. Auf einem ersten Rundgang verschafften wir uns einen Überblick über das Angebot. Ein paar Anbieter kannten wir bereits von anderen Pflanzenmärkten. Das Angebot war allerdings auf Herbstpflanzen ausgerichtet. Eine rote Herbstaster mit ungefüllten Blüten - sieht schön aus und bietet bis in den Oktober Nahrung für Bestäuber - sowie eine Winterheckenzwiebel - bildet grosse Horste, kann als Beeteinfassung verwendet werden und hält hoffentlich auch Nacktschnecken fern (!) - fanden schnell den Weg in meine Einkaufstasche. An einem anderen Stand entdeckte ich die herrlich duftende, römische Kamille. Um meine im Frühling gepflanzten Exemplare, die ein wenig herummäkeln, zu ergänzen, kaufte ich vier weitere Pflanzen. Wintereiweisserbsen standen ebenfalls auf dem Einkaufszettel, doch bei ProSpecieRara waren sie ausverkauft und beim Stand von Sativa aus Rheinau hatte niemand daran gedacht, welche mitzunehmen. Ich werde sie wohl übers Internet bestellen müssen. Wintereiweisserbsen werden Mitte Oktober ausgesät und bleiben den Winter über stehen. Im Frühling wächst die Leguminosen-Gründüngung weiter und reichert den Boden mit Stickstoff an.

Wir sind an diesem sonnigen Sonntag auch nach Basel gefahren, um an den vielversprechend klingenden Führungen teilzunehmen. Der erste Vortrag führte uns in die Samenbibliothek von ProSpecieRara. Im Bauerngarten der Merian Gärten werden ein- und zweijährge ProSpecieRara-Gemüse- und Blumensorten zur Samengewinnung gezogen. Der grösste Teil der Samenvermehrung findet jedoch in Privatgärten durch engagierte Gärtner/innen statt. Wir konnten einen Blick in die eigentliche Samenbibliothek werfen, wo auf kleinem Raum die Samen der zigtausend ProSpecieRara-Sorten aufbewahrt werden. Eine gute Alternative zum einseitigen Angebot, das im Grosshandel angeboten wird und unter der Kontrolle einiger weniger Saatgut-Grosskonzerne ist. Diese versuchen mit all ihrer (Markt-)Macht und polititschem Lobbying, die Zulassungsbedingungen für handelbares Saatgut so zu erschweren, dass der Aufwand zur Zertifizierung für kleine Anbieter mit lokal angepasstem Saatgut kaum mehr zu bewältigen wäre.

 

Nicht nur wegen der Pflanzenauswahl lohnt es sich, früh vor Ort zu sein. Wenn sich der Hunger langsam bemerkbar macht, ist es auch fürs Mittagessen ratsam sich vor dem Hauptansturm an den entsprechenden Verpflegungsständen anzustellen. So mussten wir nur kurz auf unsere Hinterwälder Burger warten und fanden auf einer der wenigen Sitzbänke mit Tisch einen freien Platz. Gemütlich essend sahen wir zu, wie sich eine lange Schlange vor dem Grill bildete. Die Köche hatten wohl nicht mit einem derartigen Ansturm gerechnet.

 

Am Nachmittag besuchten wir Kurzführungen zu schonender Bodenbearbeitung und dem Pflanzen von Obstbäumen. Es ist immer wieder spannend, Infos und Tipps von Gartenprofis zu erhalten. Auch wurden neue Gartengeräte vorgestellt, die anstelle des Umgrabens eingesetzt werden können. Die schonende Bodenbearbeitung setzt sich immer mehr durch. Dabei wird der Kompost auf die Bodenoberfläche ausgebracht und - wenn überhaupt - höchstens oberflächlich leicht eingearbeitet; auf das Umstechen wird verzichtet. Dadurch werden die Bodenschichten nicht gestört, denn die Mikroorganismen darin verteilen sich auf ganz bestimmte Ebenen. Werden die oberen Schichten durch Umgraben nach unten gebracht, sterben die Bodenlebewesen ab und müssen sich neu etablieren. Nicht nur die Bodenfauna ist für eine schonende Bodenbearbeitung dankbar, auch die Erträge fallen auf Flächen ohne Umstechen grösser aus. Letzthin habe ich in einer schottischen Gartensendung Experimente gesehen, die den Erfolg dieser Bearbeitung bestätigen (Dig/No Dig Harvest Comparison - Factsheet Seite 7).

Zum Abschluss unseres Ausfluges schauten wir uns auf dem Areal der Merian Gärten um und entdeckten Nützlich-Interessantes wie das Kürbis-Gestell und Exotisch-Schönes wie die Roselle (Hibiscus sabdariffa), eine einjährige, filigrane Pflanze, die beinahe drei Meter gross war. Elegant bewegte sie sich im Wind und ich dachte, dass sie wohl sehr vorteilhaft in meinem Garten aussehen würde. Mal sehen, ob ich irgenwo Samen auftreibe.


Das Angebot auf den Marktständen hatte sich mittlerweile deutlich gelichtet. Der Tag hatte sich nicht nur für uns als Besucher dieses ersten Herbstpflanzenmarktes gelohnt, sondern wohl auch für die Anbietenden.

 

Mehr Bilder findet ihr in der Bildergalerie.

© garten-inspirationen.ch

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