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Ein Stadtgarten in Mailand

 

Diesen Sommer zog es uns südwärts und wir verbrachten auch zwei Tage in Mailand, der zweitgrössten Stadt Italiens.

 

Wir hatten uns übers Internet ein B&B ausgesucht, das nicht nur Zimmer anbot, sondern auch eine Kunstgalerie beherbergte und einen Garten hatte, was uns durchaus vielversprechend erschien: RossoSegnale B&B, Mailand.

Nun, wir hatten uns nicht geirrt: Zwei kreative Köpfe hatten vor fünf Jahren ein Wohnhaus gekauft und dieses in ein B&B umgewandelt.

 

Das Haus wurde im zweiten Weltkrieg bombardiert und der Dachstock sowie die zweite Etage zerstört. "Nur" kann man sagen, denn der Sprengkörper explodierte nicht, so blieb der Rest des Hauses verschont. Die ehemalige Auto-Reparaturwerkstatt im Erdgeschoss bauten die neuen Besitzer in eine kleine Galerie um, wobei die ehemalige Arbeitsgrube der Werkstätte mit einer begehbaren Glasplatte abgedeckt als zusätzlicher Ausstellungsraum mit einbezogen wurde.

 

 

Das erste Stockwerk wurde zu drei Gastzimmern umgebaut, die zweite Etage wieder hergestellt und anstelle eines Daches ein Terassengarten errichtet: Töpfe mit insektenfreundlicher Bepflanzung, Liegestühle, Sitzgelegenheiten mit Tischchen, ein Esstisch, eine Vintage-Kommode mit Deko, etwas Kunst in Form einer Kaninchendraht-Taube. Et voilà, eine stilvolle, gemütliche Oase hoch über der Strasse, wo die Mailand-Touristin und ihre Familie die müden Füsse hochlagern und bei einem Glas Wein, den Nektar sammelnden Bienen, Hummeln und Taubenschwänzchen zusehen konnte. Es ist erfreulich, wie viel unerwartete Tierwelt sich in einer Grossstadt wie Mailand einfindet, wenn das Blumen-Buffet stimmt.

 

 

 

Viel zur entspannenden Stimmung trug auch die "borrowed landscape" bei, wie der Engländer sagen würde - die "geborgte Landschaft". Denn auf der Rückseite des Gebäudes übers Terassengeländer hinaus ruhte der Blick auf  hohen Bäumen, die in einem angrenzenden Hofgarten der gegenüberliegenden Häuserzeile wuchsen, so dass man sich fast in einem ländlichen Park wähnte, wäre da nicht das konstante Hintergrund-Gebrumme der Stadtverkehrs gewesen.

Doch nicht genug: Im Sommer, sofern es nicht regnet, wird das Frühstück im auf der Rückseite des Hauses angelegten Garten angeboten. Ursprünglich diente der Hof als Autoabstellplatz für die Werkstatt. Die neuen Besitzer wandelten ihn jedoch im Zuge des Umbaus in einen hübschen kleinen Stadtgarten mit bepflanzten Rabatten, Kiesweg, Gartenhaus und einem Quäntchen Kunst (natürlich!) um. Als Gast kann man den Garten uneingeschränkt nutzen, was die Unterkunft umso attraktiver machte.

Ein tolles Beispiel dafür, dass grüne Oasen überall möglich sind. Auch kleine Gärten sind wertvoll: jeder Quadratmeter zählt! Sie ermöglichen uns nicht nur Verschnaufpausen von der Alltags-Hektik, sondern helfen auch mit, die Vielfalt von Pflanzen und Tieren zu fördern, und so die Welt um uns herum lebenswerter machen.

 

Übrigens, last but not least: die Gastgeber waren freundlich und hilfsbereit, das Frühstücksbuffet lecker, die Zimmerausstattung aussergewöhnlich. Die kleine Anzahl Zimmer macht die Unterkunft gemütlich und der "Auslauf" im Garten und auf der Terrasse trägt zur Erholung nach einem langen Stadt-Tag bei.

 

© garten-inspirationen.ch

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