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Goldener Herbst

Unsere erste Gartensaison im Pflanzblätz geht langsam zu Ende und hat uns eine reiche Ernte an Himbeeren, Gurken, Melonen, Zierkürbissen und Kartoffeln gebracht. Die Beeren haben zu wundervollen Desserts, Mixdrinks und Wähen beigetragen, aus den Gurken habe ich frische Sommersalate zubereitet und unsere Aufbewahrungskisten für die stattlichen Kartoffeln platzen aus allen Nähten. Die Sonnenblumen sind in den Himmel gewachsen und die Vögel fressen sich immer noch satt daran. Die Zierkürbisse zieren herbstlich arrangiert vor sich hin. Den Kompost haben wir angehäuft, mit einem Eimer reifem Kompost vom Hausgarten geimpft und jede Assel, die meinen Weg kreuzte, habe ich sofort zum neuen Buffet getragen, auf dass sie mithelfe, Pflanzenreste zu gutem Kompost zu verarbeiten.

 

Den ganzen Sommer über lavendelblühte, kapuzinerkressestrahlte, leinblaute und malvenpinkte es. Auch die Löwen maulten grandios zu den feuerroten Mohnblüten hinüber, die sich elegant im Wind wiegten und über allem summte und brummte das Volk der Bienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge zufrieden vor sich hin. Nun haben die Schönheiten ihre Pracht ausgelebt und schicken sich an, den Winter in ihren Wurzeln schlafend zu überdauern oder haben Samen gebildet, um im nächsten Sommer eine weitere Generation farbiger Blütenpracht hervorzubringen.

Nun geniessen wir einen goldenen Herbst.

 

Auf dem leeren Kartoffelbeet blühen die Phacelien, die mit ihren lila Puschelblumen den Morgentau einfangen und den letzten Nektar der Saison anbieten. Sie werden über den Winter abfrieren und den Boden schützend bis zum Frühling zudecken.

 

Die Herbsthimbeer-Ruten werde ich abschneiden und zu einem Unterschlupf für Igel aufschichten (mehr dazu im nächsten Blog).

Auf dem abgeräumten Gurken-Melonen-Zierkürbis-Beet und einem Teil des "Kartoffelackers" wachsen nun Wintereiweisserbsen.

 

"Tiefes Umgraben der Erde bringt ganze Bodenlebewesen-Gesellschaften durcheinander und die Bodenfruchtbarkeit nimmt dadurch erheblich ab."

 

Diese Aussage habe ich nun schön öfters gelesen oder gehört. Wir haben uns gefragt, ob das wirklich zutrifft und so haben wir mit den Wintereiweisserbsen ein kleines Experiment gestartet:

 

Dort, wo die Kartoffeln wuchsen, haben wir umgegraben, gehackt und gerecht, bevor wir die Erbsen steckten. Auf dem ehemaligen Kürbisgewächsbeet entfernten wir das Unkraut mit der Bügelzughacke, ohne den Boden zusätzlich durch Umstechen zu lockern. Anschliessend haben wir mit der grossen Gartengabel sorgfältig Löcher in den Boden gestochen, die Samen in die Löcher gepflanzt und diese durch Rechen gefüllt. Beide Beete haben wir angegossen und nun sind wir natürlich gespannt, welche Methode die Pflanzen besser wachsen lässt.

 

Die Wissenschaftler/innen unter euch werden nun den Kopf schütteln und sagen, dass wir die Erbsen nach verschiedenen Vorkulturen gesetzt haben und dies auch einen Einfluss aufs Wachstum haben könnte. Richtig! Aber, da wir beide Beete mit Wintererbsen bepflanzen wollten, hat es sich halt so ergeben. Sollte sich ein erheblicher Unterschied zwischen den Beeten zeigen, wiederholen wir den Versuch nächstes Jahr auf einem Beet mit derselben Vorkultur, um das Beobachtete zu bestätigen oder zu widerlegen.

Wintereiweisserbsen gehören übrigens zu den Knöllchen bildenden Leguminosen, die Stickstoff aus der Luft im Boden binden und für nachfolgende Kulturen verfügbar machen. Sie stehen solange, bis das Beet im Folgejahr neu bepflanzt wird. Die Wurzeln und mit ihnen die mit Stickstoff angereicherten Knöllchen bleiben im Boden. Der Griff in den Düngersack fällt dadurch weg. Es handelt sich um eine Winterkultur, die erst Mitte Oktober gepflanzt wird, damit sie bis zur kalten Jahreszeit nicht zu hoch wächst. Während der kalten Monate stellen die Erbsen das Wachstum ein. Erst im nächsten Frühjahr wachsen sie weiter.

 

Ich freue mich schon auf nächstes Jahr, wenn ich wieder neue Beete mit zarten Pflänzchen bestücken und Samen stecken und streuen kann. Auf die aromatischen Früchte und Gemüse, die es nirgendwo zu kaufen gibt, auf die Düfte und den Wind, der mir an Gartentagen das Haar zerzaust, auf all das Gekreuche und Gefleuchte, das Zwitschern und Summen, das Rascheln und Rauschen, das friedvolle Lauschen.

 

© garten-inspirationen.ch

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