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Herbst-Himbeeren

Reife Himbeeren, direkt vom Strauch gepflückt und sonnenwarm in den Mund gesteckt sind für mich schönste Kindheitserinnerungen.

 

Als kleiner Matz war ich oft bei der Grossmutter im grossen „Bungert“ (Obstbaumgarten), wo neben viel Gemüse, Johannisbeer- und Stachelbeersträuchern auch lange Himbeer-Reihen standen, in denen ich mich herrlich verstecken und so viel von den aromatischen Köstlichkeiten verputzen konnte wie ich essen konnte. Erst viel später, als ich von Zuhause wegzog und zum ersten Mal Himbeeren im Supermarkt kaufte, wurde mir bewusst, in welchem Luxus ich zu jener Zeit schwelgte. Es geht nichts über Beeren direkt vom Strauch, denn dieses volle Aroma entwickeln nur ganz reife Früchte, die kaum einen Tag gelagert werden können, und die gibt’s im Lebensmittelhandel nicht zu kaufen.

 

Als es nun um die Frage ging, ob wir einen Garten pachten wollten, war für mich die Erinnerung an diese köstlichen Geschmacksbomben einer der Hauptgründe mich an dieses Abenteuer zu wagen und so schrieben wir uns in die Warteliste ein. Als ich dann die Nachricht erhielt, dass wir eine Gartenparzelle bekommen würden, fing ich an, mir grundlegende Gedanken zur Pflanzung zu machen:

  • Sollen es Sommer- oder Herbsthimmbeeren sein?
    Herbsthimbeeren: Keine Himbeermaden, keine Rutenkrankheiten
  • Wie pflanze ich sie?
    Wallpflanzung – Himbeeren vertragen keine Staunässe
  • Wie stütze ich sie?
    Mit einem horizontal gelegten Gitter - die Himbeeren wachsen hindurch und das aufwändige Einzelaufbinden fällt weg.
  • Welche Himbeersorten?
    Nach längerer Suche entschied ich mich für folgende Sorten:
    10 Stück Himbo-Top: wenige Ruten, viel Ertrag, grosse schmackhafte Früchte und der Internet-Tenor war durchwegs positiv. So gab ich beim Züchter im Zürcher Unterland die Bestellung auf. Einige Tage später wurden die Pflanzen geliefert. Doch als ich das Paket auspackte, lag ein Durcheinander aus Zeitungspapier, Erde und zerzausten Pflanzen vor mir und ich befürchtete das Schlimmste für den Erfolg meiner ersten Himbeerkultur.  Nachdem ich alles auseinandersortiert, aufgestellt, gewässert und ein paar Tagen gewartet hatte, sahen die Pflänzchen schon wieder einigermassen akzeptabel aus. Nachdem ich sie in den mit Hornspänen und einem organischen Beerendünger versehenen Erdwall eingepflanzt hatte, starteten sie durch und wuchsen turbomässig in die Höhe.

    Aber natürlich wollte ich auch ein wenig experimentieren. Also ging ich in ein Garten-Fachgeschäft und kaufte je zwei Exemplare der Sorten "Autumn Bliss" und "Enrosadira".

    Ausserdem verpflanzte ich je einen Ableger einer gelben und einer roten Sorte aus unserem Hausgarten, die schon einmal umgezogen waren, und deren Namen wahrscheinlich irgendwann im Papierkorb gelandet sind.

Von den im Garten-Center gekauften, starb eine Pflanze ziemlich schnell ab, eine weitere siechte lange vor sich hin, scheint jetzt jedoch über dem Berg zu sein. Zwei wuchsen von Anfang an gut. Wenn man berücksichtigt, dass ich diese Pflanzen in einem Fachgeschäft gekauft habe, ist die Erfolgsbilanz bei vier Pflanzen mit einer toten und einer mäkeligen eher enttäuschend ausgefallen. Die Beeren der Sorte "Enrosadira" schmecken mir am besten. Sie haben ein besonders feines Aroma.

 

Die "Himbo-Top"-Stauden wuchern vor sich hin und produziert wundervolle, schmackhafte Beeren.

 

Die gelbe und die rote Namenlose aus meinem Hausgarten sind etwas später dran mit den Früchten, wachsen jedoch gut.

 

Nie hätte ich gedacht, dass ich schon im ersten Jahr so viele Himbeeren würde ernten können. Die Wallpflanzung scheint gut zu funktionieren und das warme Wetter war ideal fürs Wachstum.

 

Für nächstes Jahr ist eine weitere Reihe mit Himbeeren geplant: Himbeeren im Überfluss, ein reich gedeckter Tisch für Bienen und Hummeln, die die Blüten zuverlässig bestäuben, und ... verstecken kann man sich auch ... wenn man will.

 

© garten-inspirationen.ch

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